Unsere Schule

 


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 Rezension nach der Premiere


Schön & anstrengend


Man erinnert sich bei Dürrenmatts Stück an Foucaults Schrift "Folie et déraison. Histoire de la folie à l'âge classique", der sich intensiv mit der europäischen Ausgrenzungsgeschichte und mit der Ausübung der 'Disziplinarmacht' beschäftigt hat. Der Spielort "Irrenhaus" lässt den Agierenden und ihrem Regisseur denn auch ein weites, passendes Betätigungsfeld der verschiedenen historischen Machtgeschichten, dieses füllen die jugendlichen Schauspieler glamourös. Da es sich bei den meisten um Mitglieder eines Literaturkurses handeln wird, sollte der Geschmack des Publikums den pädagogischen Umständen untergeordnet bleiben. Die Beurteilung des Erfolgs liegt damit auf der Hand, sind die begabten Spielerinnen und  Spieler erfolgreich gefordert worden, ist das intellektuelle Niveau passend. Und so ist es hier, man erkennt die Möglichkeiten und Grenzen genau und die Regie führte die Beteiligten zu Höchstleistungen. Ich habe auch Meinungen gehört wie "Kürzen und mehr Effekte für das Publikum", ich denke jetzt aber, das ist doch falsch, obwohl es in der Traditionsgeschichte von Schüleraufführungen so oft vorkommt. Darauf kommt es nicht wirklich an. Bei einer handvoll der Mitspieler könnten vielleicht schon Auszüge aus dem Veranstaltungsvideo genügen, um eine weitere berufliche Karriere  in der Schauspielkunst vorzubereiten.
Es war ein schöner und zugleich anstrengender Theaterabend in der Gesamtschule Dormagen.
M. Jaletzke

 

 


Wem kämen

da (...) Bedenken?


Dürrenmatts Collage wertet nicht, sie beurteilt nichts, wie jegliche Literatur, die etwas taugt. Was aber will sie? In einer Schule?

Da steht ein mittlerweile klassisch gewordenes Figurenarsenal aus Europas Geistesgeschichte auf der Bühne und zeigt die ewig selben Bedingungen, die in die Abgründe der Zivilisation führen: Gemeinheit, Gier, Anmaßung. Es liegt, sollte man meinen, also durchaus in der Zuständigkeit einer psychiatrischen Einrichtung, zu erklären, vielleicht zu heilen und zu retten. In diesem Sinne (manchmal ja auch in anderem) wird das BvS-Bürgerhaus ganz folgerichtig zur Irrenanstalt, in der sich dem Publikum die Folgen spiegeln, die sie zeitigen: Gemeinheit, Gier, Anmaßung.

Und dies aber ist die Kunst: Das Verderbliche nicht nur zu behaupten, zu berichten (in der Zeitung beispielsweise oder in der Form bloßer "Literatur"), sondern es lebendig werden zu lassen in seiner skandalösen Dynamik. "Lebendig werden lassen" heißt auf der Bühne natürlich: Spiel! Deklamation, Emotion, Energie. Und Wirkungen als Publikum gemeinsam zu erleben und zu teilen.

Die Basis all dessen ist ganz offenkundig zunächst einmal Fleiß, denn ohne gewaltige Anstrengungen und stundenlanges Proben sind schon die Textmengen gar nicht zu bewältigen. Dann kommen aber im Falle dieser Schulinszenierung ganz erstaunliche Komponenten hinzu: Feinfühligkeit, Talent und v.a. seelisches, literarisches und historisches Durchdringen! Einfach großartig, mit welch beiläufigem Fatalismus sich der Woyzeck ins Gespräch mit Napoleon begibt, mit welch physisch greifbarer Verzweiflung sich dieser gegen den Druck stemmt, schießen zu lassen, mit welch komödiantischem Talent der besoffene Garcon durch die Kulissen wankt, der Papst seine Texte vergisst und Fouché sein Liedchen singt. Geradezu bemitleidenswert der Dichter selbst, mal Büchner, mal Fabrikant, mal Staatsmann, mal humanistischer Reformator und Verleger pornographischer Schriften in seiner Zerrissenheit und Orientierungslosigkeit, seiner schizophrenen Verlorenheit. Fantastisch die quasi bühnenfüllende Präsenz der Mädels; der Jeanne d`Arc, Richelieus, Marx I und Marx II (nebst Doppelrollen). Gibt´s denn da kein Zaudern, keine Unsicherheit, einen nicht authentischen Moment? Ich habe keine ausgemacht!  

Wie gelingt es? Die Rahmenbedingungen in der Schule sind nicht die besten. Der Bürgermeister selbst war kürzlich Zeuge, als Teile der Bühne barsten unter der Last der zu ehrenden Abiturient/innen!

Andererseits ist Inspiration kein materielles Gut und gerade hiervon gab es in der Gruppe reichlich und zwar nicht nur beim spielenden Personal! Dr. Schnorr führte nicht nur künstlerisch Regie, sondern verstand es, ein motiviertes, vitales Ensemble auf und neben der Bühne zusammenzuschweißen; Soufflage, Bühne, Catering, Requisite, Dokumentation, Licht... Spiel. Wie hat er das gemacht? Ich habe sechs Ensemblemitglieder gefragt, gemeinsamer Tenor: "Ich weiß es nicht aber es war so!" Das Publikum hat es gemerkt und begeistert auf die Aufführung reagiert. Herzlichen Dank für Unterhaltung, Inspiration und kulturelle Bereicherung unseres Schullebens!

Im Namen der Schulleitung, Axel Frieling 

 

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Kurze Einführung

 

Das Theaterstück „Achterloo IV“ von Friedrich Dürrenmatt, das von unserem Literaturkurs aufgeführt wird, ist eine Mischung bedeutender historischer Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Epochen, die in einer Irrenanstalt zusammentreffen. Doch es ist keine gewöhnliche Anstalt, denn nicht nur die Patienten spielen verrückt, sondern auch die Ärzte. Zu den Hauptcharakteren gehören unter anderem Napoleon, Georg Büchner und Benjamin Franklin. Sie alle sind Teil eines Rollenspiels, das Büchner während der Handlung schreibt. Die Patienten schlüpfen in Rollen, wobei es schon mal vorkommen kann, dass zwei Rollen von ein und derselben Person gespielt werden, oder man nicht weiß was Rolle und was Person ist. Büchner gerät immer wieder in Streit mit Mitspielern, die ihren eigenen Kopf durchsetzen möchten und sich den vorgegebenen Text nicht merken können oder wollen. Der Autor, Friedrich Dürrenmatt, beschreibt die Hintergründe von Achterloo so, dass sowohl Naturwissenschaften, als auch Theologie und Philosophie zusammenwirken. Dürrenmatt wollte ein Zeitstück schaffen, das zeigt, dass Politik nicht ohne den Verrat auskommen kann. Die politische Situation der gewerkschaftlichen Umwälzungen 1981 in Polen wird widergespiegelt, besonders das politische Für und Wider der Ausrufung des Kriegsrechts. Einmarsch, Besetzung oder sogar Krieg konnten nur durch einen ’Verrat‘ unterbunden werden und der Einmarsch der Russen wurde gestoppt. Weitere politische Konflikte konnten abgewendet werden. Die Figuren spiegeln allerdings nicht die damals beteiligten Menschen wider, sondern überzeitliche Muster gesellschaftlicher und politischer Aktivitäten durch die unterschiedlichsten Jahrhunderte.

Melanie Stach

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Zum Inhalt

 

 

Der Erbe einer Spanferkelkette bildet sich ein, Georg Büchner zu sein. Er schreibt ein Stück über den 12. und 13. Dezember 1981 in Warschau, zur Zeit der Ausrufung des Kriegsrechtes in Polen unter General Jaruzelski. Dem Erben der Spanferkelkette, der sich einbildet Büchner zu sein, stehen in seiner Fantasie nur Personen zur Verfügung, die schon zu Büchners Zeiten Geschichte waren. Ort des Geschehens ist ein Irrenhaus. Das Stück heisst „Napoleon will endlich schlafen gehen“ und wird von den ‚Ärzten‘ Carl Gustav Jung und Sigmund Freud gleichzeitig auch zu therapeutischen Zwecken als Rollenspiel genutzt. Dabei steht Freud dem Therapieansatz Jungs äußerst kritisch gegenüber. Büchner arbeitet während der Aufführung noch an den einzelnen Texten und ändert sie beständig um. Die Spieler wiederum halten sich nicht immer an Büchners Texte oder sind textunsicher. Der Zahntechniker Jean-Pierre Leuli, der sich für Carl Gustav Jung hält, und der Damenschneider Ignaz Schwänzel, der sich für Sigmund Freud hält, sind schillernde Figuren. Beide treten als Plon-Plon und Louis, als die Neffen Napoleons und als Marx I und Marx II auf. „Jeder Mensch ist ein Abgrund, es schwindelt einem, wenn man hineinsieht“, bekennt der Damenschneider - als Plon-Plon den Woyzeck spielend, weil der Pfarrer, der sonst den Woyzeck spielt, grade Jan Hus spielt! Einer, der sich für Cambronne hält, versucht sich vergeblich an sein berühmtes Wort zu erinnern; dann spielt er Papst Johannes XXIII., der Hus mit dem Bann belegte. Ein Pfarrer, der schon den Woyzeck spielt, muss außerdem den Hus spielen. Der Transvestit stellt Robespierre, Fouché und Kaiser Sigismund vor. Als Papst Gregor XII. und Papst Benedikt XIII. treten Müller I und II auf. Ihre Rollen im zweiten Akt sind – entgegen Büchners Absicht – gestrichen. Obersteuerinspektor Hasler tritt nicht auf. Er war zu redegewaltig, sodass ihn Judith für Holofernes hielt und ihm die Kehle durchschnitt. Statt seiner tritt – ganz zum Verdruss von Büchner – die Frau von Zimsen als Richelieu und Vertreterin der Kirche auf. Der Professor, der zu Spielbeginn auftritt, war vielleicht einmal Außenminister der USA. Er wollte Benjamin Franklin spielen, musste aber Napoleon I. wählen, weil Büchner als ‚Naturforscher‘ den Benjamin Franklin selber spielen wollte. Die Enkelin eines Kriegsverbrechers bildet sich ein Jeanne d’Arc zu sein und will den Krieg, rechtfertigt mit Patriotismus ihre Mordpläne. Napoleon hingegen will, ganz in Entgegensetzung zu seiner geschichtlichen Rolle, den Frieden. Das, was ihm in der Wirklichkeit misslungen ist. Und auch als Holofernes will Napoleon aus dem geschichtlichen Morden ausbrechen. Aber er (oder der Schreiber) wissen: „Wenn du Judith bist und ich Holofernes, müssen wir auch wie Judith und Holofernes handeln!“

 

Hinweis:

 

Wenn oben von Streichungen die Rede ist, so beziehen sie sich auf Dürrenmatts Stück, ebenso wie sich Textunsicherheiten in einzelnen Szenen auf Dürrenmatt beziehen und nicht auf uns.

 

Größere Streichungen von uns wurden auf den 2. Akt beschränkt und werden nicht kenntlich gemacht. Textunsicherheiten von uns sind nicht beabsichtigt.

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Personen
Rollen & Darsteller

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Professor/Napoleon - Moritz Kuhn

Georg Büchner/Benjamin Franklin - Jan Reschke
Louis/Marx II - Sophie Kuhn
Plon-Plon/Marx I - Lisa Lachnicht
Cambronne/Papst Johannes XXIII. - Gianpaolo Maglione
Jeanne d'Arc - Hannah Braun
Frau von Zimsen/Richelieu - Ann-Sophie Smit
Woyzeck/Jan Hus - Etienne Dubiel
Robespierre/Fouché/Kaiser Sigismund - Merlin Müller-Alpers
Müller 1/Papst Gregor XII. - Robel Haileab

Müller 2/ Papst Benedikt XIII. - Hendrik Fausten

 

special guest:

Catering - Simon Schmitz (9e)

 

Dispatching: Jessica Beivers

Bühne: Anne Wellenberg

Requisite/Dokumentation: Melanie Stach, Shoshannah Nottinger, Hannah Braun

Licht & Pyrotechnik: Enya Oranski, Jessica Beivers

Musikeinspielung: Jessica Beivers

Souffleusen (Probe): Jessica Beivers, Enya Oranski, Anne Wellenberg

Souffleuse: Anne Wellenberg

 

Maske: Ann-Sophie Smit, Valérie Schmidt (13), Verena Mähl (13)


Regie u. Gesamtleitung: Stefan-G. Schnorr

 

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Who is who in Achterloo?

 

 

Jeanne d’Arc (1412-1431)


 

Sie war eine Rebellin, die nicht ihrer Zeit angemessen gekleidet war, weil sie ausschließlich Männerkleidung trug und den militärischen Truppen half Städte zu erobern. Besonders in Orléans (Johanna von Orléans) machte sie sich einen Namen.

 

Napoleon Bonaparte (1769-1821)


 

Er war ein französischer Diktator, der während der französischen Revolution schnell innerhalb des Militärs aufstieg. Napoleon ist überwiegend für den Code Civil bekannt, das Rechtsbuch für Zivilrecht, das bis heute gilt.

 

Georg Büchner (1813-1837)


 

Er war sowohl Schriftsteller, als auch Naturwissenschaftler, Mediziner und Revolutionär. Büchner starb sehr früh und gilt trotzdem als einer der bedeutendsten Literaten des Vormärz.

 

Benjamin Franklin (1706-1790)


 

Er war Drucker, Verleger, Schriftsteller, Naturwissenschaftler und Erfinder. Franklin gehörte zu einem der Gründerväter der Vereinigten Staaten und somit beteiligte er sich an der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten.

 

Jan Hus


 

Jan Hus (nach seinem wahrscheinlichen Geburtsort Husinec, Okres Prachatice, heute Tschechien, geboren um 1369, gestorben 6. Juli 1415 in Konstanz), auch Johannes Huss genannt, war ein christlicher Theologe, Prediger und Reformator. Er war zeitweise Rektor der Karls-Universität Prag und starb während des Konzils von Konstanz, als er seine Lehre nicht widerrufen wollte, den Feuertod. Die nach Jan Hus benannte Bewegung der Hussiten geht zum Teil auf sein Wirken zurück.

 

Robespierre


 

Maximilien Marie Isidore de Robespierre (häufig nur Maximilien Robespierre, geboren 6. Mai 1758 in Arras, gestorben 28. Juli 1794 in Paris), auch „der Unbestechliche“ genannt, war Rechtsanwalt und Politiker. Als ein führendes Mitglied der Jakobiner war er mitverantwortlich für den Terreur von 1793/94. Die erste Phase der Französischen Revolution wurde von ihm entscheidend mitgeprägt.

 

Fouché


 

Joseph Fouché, Duc d’Otrante (deutsch Herzog von Otranto (seit 1809) geboren 21. Mai 1759 in Le Pellerin, nahe Nantes, gestorben 26. Dezember 1820 in Triest) war ein französischer Politiker während der Französischen Revolution und Polizeiminister in der Kaiserzeit und der Restauration.

Melanie Stach



 

 
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Probenimpressionen v. 17.06.2014
 

Die Textauszüge stammen aus dem Stück

- jede Übereinstimmung mit dem abgebildeten Darsteller und seiner Rolle wäre aber rein zufällig.

 
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"Bin ich auch eine Fehlbesetzung, kommt

mir die Hauptrolle zu."

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"Die Bestie

heißt Menschheit."

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"Das Muss ist eins von

den Verdammungsworten."

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"Wem kämen da

nicht Bedenken?"

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"Fünfmal hat Er seither

einem Chef die Kehle durchgeschnitten."

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"Drei können ein Geheimnis

wahren, wenn zwei tot sind."

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"Ich meldete, sie seien

nicht mehr am Leben."

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"Dann haben die Soldaten meinen Großvater erhängt."

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"Jeder Mensch

ist ein Abgrund."

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"Nur durch eine radikale Analyse ist er zu heilen."
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"Sprengstoff

benötigt keinen Stil."

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"Wir stehen vor

dem puren Chaos."

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"Auch selbstverständliche Forderungen

sind bei uns politisch."

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Weitere Probenfotos (HIER)
 
 Fotos: St.-G. Schnorr
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Herzliche

Einladung !

 
 
 

Donnerstag, den 3. Juli, 19.30 Uhr - Mensa

nur eine Aufführung - Eintritt frei

 
 
 

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Zu einzelnen Figuren des Panoptikums & Photo Appetizer (HIER)