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Einen fulminanten Abschluss der diesjährigen fünf WDR-Jugendkonzerte erlebten Schülerinnen und Schüler aus den Jahrgangsstufen 10 und 11 im Rahmen ihres Musikunterrichts in der Kölner Philharmonie. Dabei konnte man sich durchaus ein bisschen streiten, ob denn nun der musikalische Teil der Abends oder die Moderation des Gastes das eigentliche Highlight war.
Denn kein geringerer als Konrad Beikircher hatte die Moderation übernommen. In Kölsch und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, machte er noch einmal unmissverständlich deutlich: Wagners Musik sei eigentlich Filmmusik. Nun gut! Aber: Seine Musik sei ganz einfach "geil" - auch wenn man das normalerweise so in der Philharmonie nicht sagen würde. Dem ist nicht das Geringste entgegen zu setzen. Ganz im Gegenteil.
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 Konrad Beikircher in seinem Element - Klassische Musik.
Dass dieser Mann von Wagners Musik fasziniert ist, blieb keinem verborgen. Und die Art, wie er diese Begeisterung verkörperte, machte neugierig. Und sie war nicht zuletzt auch wirklich hilfreich, da sie auf eine besondere Klanglichkeit und Themenwelt vorbereitete, der sich das WDR-Sinfonieorchester mehr als gewachsen zeigte.
Auch war eine jener, so genannten, "Ringtuben" im Orchester vertreten. Diese hatte Wagner extra als besonders tiefe und klangintensive Variante einer Tuba für sein Musikdrama "Der Ring des Nibelungen" in Auftrag gegeben. Auch wenn sie später noch von anderen Komponisten verwendet wurde - im Orchesterkonzert findet man sie dennoch nicht oft.
Aber irgendwie verwundern solche Extravaganzen von Wagner kaum, stellt man in Rechnung, dass Wagner für seinen "Ring" immerhin vier (!) Abende zur Aufführung benötigt. Und an diesem Abend wurden ja sozusagen nur die Leitmotivhits aus dem vierten Abend, der "Götterdämmerung", gespielt. In einer dreisätzigen Suite und arrangiert vom Dirigenten des Abends (Hartmut Haenchen) selbst.
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 Ein Teil des harten Kerns, der bis zuletzt immer dabei war. 
Und die Meinung der Schülerinnen und Schülern war eindeutig: Der Suggestion der Musik konnte sich kaum einer entziehen. Es war eine überzeugende Performance - auch und gerade für jene, die Klassik nicht auf der alltäglichen Wiedergabeliste ihres MP3-Players haben.
Was zunächst als Risiko anmutete, die Kombination von Beethovens 6. Sinfonie, "Pastorale",  mit Wagners Musik aus der "Götterdämmerung" eröffnete neue Horizonte. Der Applaus vor der Pause, nach der Beethoven-Sinfonie, war nicht nur für ein Jugendkonzert auffallend lang und intensiv. Orchester und Dirigent präsentierten einen Beethoven von durchdringender Musikalität. Das war tatsächlich nur noch durch Wagners schwebende Harmonik und dessen Soundpräzision zu steigern. Einiges spricht dafür: Im Nebenberuf wäre Wagner heute wohl Sounddesigner.
Eine Übersicht über Konrad Beikirchers unterhaltsame und musikwissenschaftlich absolut auf der Höhe der Zeit befindlichen diversen Konzert- und Opernführer findet man auf Beikirchers Site .
Beikircher, so muss man neidlos und anerkennend benennen, hat Holger Noltze wohl nicht im Sinn, wenn er kritisch die mediale Vermittlung von klassischer Musik beleuchtet. Wen ein Blick in die Gruseligkeiten ästhetischer Billigvermarktung -natürlich immer in bester Absicht- interessiert, dem sei hier ein Buch empfohlen, dessen Titel allein schon eine Ungeheuerlichkeit verrät: Die Leichtigkeitslüge. Über Musik, Medien und Komplexität. Von Holger Noltze. Erschienen 2010 in der Edition Körber. Leseproben und Rezensionen hier .

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