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 Premierenkritik

 

Romulus der Große: der Rezensent war erstmal skeptisch, denn das Stück gehört nicht gerade zu den Dürrenmatt-Klassikern und überhaupt: Schon wieder Dürrenmatt auf der BvS-Bühne? Immerhin wurde bei uns dieser Autor in den vergangen Jahren häufig gegeben und bei Wiederholung droht ja Langeweile. Aber um es gleich vorweg zu nehmen: Langweilig war es dann zuletzt…

Der Plot der Komödie ist schnell erzählt. Romulus Augustus, der Kaiser von Westrom, weigert sich, im Untergang des römischen Imperiums eine allzu katastrophale Katastrophe zu erkennen. Die einfallenden Germanen belustigen ihn wegen ihrer merkwürdigen Kleidungsgewohnheiten (sie tragen Hosen!) sowie ihrer derben Sprache mehr, als dass sie ihn ängstigen: „Wir sollten nicht versuchen, den Gang der Geschichte aufzuhalten.“ Seine Berater, Verwandten und Günstlinge sehen das allerdings ganz anders, wollen ihre Pfründe verteidigen, vielleicht ihre Heimat, manche sprechen, wie bei solchen Anlässen ja immer, von vaterländischen Idealen. Meuchelmord liegt in der Luft, um, wie 1500 Jahre später in eben jenem Germanien, mit der „totalen Mobilmachung“ das Unmögliche noch möglich zu machen und die militärische Wende zu erzwingen. Dürrenmatts abgehalfterter Imperator spürt: Das ist der ganz falsche Weg und schon dieser Begriff: Mobilmachung… Er pflanzt zwar nicht noch schnell ein Apfelbäumchen, lässt sich aber doch rasch den letzten Spargelwein kredenzen, scherzt mit den Kammerdienerinnen, rechnet mit der lieblosen Ehefrau ab und widmet sich ansonsten ausgiebig seinem Lieblingshuhn: Marc Aurel. So richtig wütend wird er nur, wenn das Glück der geliebten Tochter Rea auf dem Spiel steht. Sie zwingen, einen Hosenfabrikanten zu heiraten, damit der die Germanen besticht, wie es sogar ihr Verlobter und die Mutter verlangen? Kommt nicht in Frage. Und wenn die Welt auch untergeht, Romulus besteht auf Vaterliebe, Hühnerzucht und Selbstbestimmung: „Was klassisches Latein ist in diesem Haus, bestimme ich. Bringt mir mein Morgenessen.“  Es sind genau diese Spannungen zwischen Zuschauererwartung und Textfassung, die Dürrenmatt so liebte und die einen Gutteil seiner komödiantischen Wirkung ausmachen. 

Die aber richtig lebendig erst auf der Bühne im Spiel wird, in der Interaktion von komödiantischen Talenten. Nur zu lesen reicht nicht. Man muss die Verzweiflung Ämilians spüren, über den romantischen Fatalismus Romulus´ lachen, sich dann wieder gruseln vor der Gefühlskälte seiner Frau Julia, mitleiden mit der unglücklichen Rea, den Kopf schütteln über die abgebrühte Gier des Hosenfabrikanten Rupf und der Kunsthändlerin Apollya, ungläubig staunen über die frappierende Hilflosigkeit des oströmischen Kaisers Zeno. Und all das taten die ca. 350 Besucher der Inszenierung, denn was sie geboten bekamen, war kein „Texttheater“, keine bloß gesprochene Literatur. Die Emotionen wurden nicht bloß deklamiert, sondern lebendig. Der Bühnenraum war erstaunlicherweise erfüllt von all der Verzweiflung, dem Fatalismus, der Romantik, Hilflosigkeit und Gefühlskälte. Und zwischendurch gab es immer wieder schlichtweg urkomische Szenen, wenn bspw. Schüler antike Statuen gaben oder Rassan Yesdin als Urgermane Künzi den chauvinistischen Lateinern erklärte, dass erst die Durchmischung des Genpools ein rechtes Volk erzeugt. Ein Laientheater also auf erstaunlich hohem Niveau, spritzig, komisch, professionell. Und liebevoll- vor allem das. Requisite, Bühnenbau, Licht, Dekoration, Maske, Kostüme: in jedem Detail zeigte sich die Hingabe des Ensembles an das Projekt.

Als „kreatives Nebenprodukt“ gab Simon Schmitz alias Romulus nach der Aufführung zur Ukulele ein Gesangsstück mit Ohrwurm- Schlagerpotential zu Gehör: „Schnorr im Ohr“. Eine hübsche Hommage an den Regisseur, der es offenbar wieder einmal vermochte, bleibenden Eindruck zu machen und mit seinen hunderten Tipps und Hinweisen über die Monate der gemeinsamen Theaterarbeit "im Ohr zu bleiben“. Schulleiter D. Rimpler hatte, wie er sagte, einen „kurzweiligen Abend“ erlebt. Das kann man wohl sagen!

 

(Axel Frieling)

 

 

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Zum Stück  

 

Formulieren wir es ganz einfach: Kann man dem Scheitern etwas Positives abgewinnen? Geben wir ebenso einfach die Antwort: Wenn wir zu den Gescheiterten gehören,  wohl eher nicht. Wenn wir zu den Gewinnern gehören, vermutlich schon! Wer schon immer damit Probleme hatte, die naturwissenschaftlichen Eskapaden von Relativität zu verstehen, dem wird hier vermutlich geholfen. Wer als was auch immer 1989 in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik »abgewickelt« wurde, weiß, was hier gemeint ist. Romulus der Große von Friedrich Dürrenmatt bietet zwei Ebenen des Amüsements. Auf der ersten Ebene herrscht der, Dürrenmatt möge es verzeihen, »Kalauer«. Hierüber muss man eigentlich kein weiteres Wort verlieren (und das ist alles andere als abschätzig gemeint!). Auf der zweiten Ebene regiert die Groteske. Politik, politische Handlungen, Staat, staatliche Unternehmungen, Volk, Vaterland, Patriotismus, Kultur werden gleichsam unter ein Elektronenmikroskop gelegt, analysiert, seziert und geradezu bis zur Unkenntlichkeit sediert. Der Dürrenmatt des „Romulus“ traut schlicht und ergreifend keinen Kollektiven. Er ist ein Meister der individuellen Selbstbespiegelung, besonders dann, wenn es dieser gelingt, ihr eigenes Ego als Alter Ego zu stilisieren. Dürrenmatt gelingt es in gewisser Weise faszinierend, verantwortungsethischen Schlendrian als gesinnungsethische Erfolgstat und menschheitsgeschichtliche Morgenröte zu verkaufen. Rigoroser kultureller Selbsthass verbindet sich mit einer quasi eschatologischen Heilshoffnung. Das an dieser Stelle eine gewisse protestantische Grundfärbung durchschimmert, ist sicher kein Zufall bei dem Sohn aus dem protestantischen Pfarrhaus. Dieses »Groteske« wird uns von Dürrenmatt als eine Denkmöglichkeit serviert, die von der Bühne in das Publikum und dessen Lebenswelt zu wabern vermag. Eine Kurskorrektur, wenn überhaupt gewünscht oder möglich, kann nur in offener Gegnerschaft zu dem angenehmen Leben (›comodious living‹) erfolgen. Ein Alptraum für unsere hedonistische Wohlfühlgesellschaft. Aber: Sich am Grotesken ergötzen, ist weder gut noch gruselig, es ist ein herrliches Angebot des Theaters! Occasio theatralis!

(St.-G. Schnorr)

 

 

 

Rollen und ihre Darsteller

 

 

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Romulus Augustus

Kaiser von Westrom

Simon Schmitz

 

Julia

seine Frau

Elisabeth Ackerschott

 

Rea

seine Tochter

Paula Wolters

 

Zeno der Isaurier

Kaiser von Ostrom

Gianni Warzecha

 

Ämilian

Römischer Patrizier

Leo Moritz Willy Zenk

 

Mares

Kriegsminister

Jonas Ruth

 

Tullia Rotunda

Innenministerin

Karolin Roßbach

 

Spurius Titus Mamma

Reiterpräfekt

Julian Smit

 

Achilles

Kammerdienerin

Chantal Schubert

 

Pyramus

Kammerdienerin

Jacqueline Arent

 

Apollya

Kunsthändlerin

Yasmin Gassner

 

 

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(Zu den "faces in white" bitte auf das Bild klicken.

 

 

Cäsar Rupf

Industrieller

Eric Kruchen

 

Phylax

Schauspieler

Lars Kusserow

 

Odoaker

Fürst der Germanen

Joel Deutzmann

 

Phosphorida

Kämmerin

Julia Kannemann

 

Sulphurida

Kämmerin

Nina aus der Fünten

 

Eine Köchin

Diana Wade

 

Dienstmädchen der Apollya

Jasmin Kalkan

 

Eilbote

Julia Wacker

 

 

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Die Germanen

(Moser)

Julian Wagner

(Neuschwander)

Hendrik Sommer 

(Künzi)

Rassan Yesdin

 

Kofferträgerin

Michelle Pütz

 

Statue 1

Joel Deutzmann

 

Statue 2

Hendrik Sommer

 

Souffleuse

Antonia Weber

 

Licht

Julian Smit, Rassan Yesdin

 

Kostüme & Näharbeiten

Yasmin Gassner

 

Requisite

N.N.

 

Bühnendetails

Yasmin Gassner

 

Styro-Deko

Yasmina Rabia (Jg. 11)

 

Guter Geist zu jeder Zeit

Yasmin Gassner, Jasmin Kalkan

 

Regie und Gesamtleistung

Stefan-Georg Schnorr

 

 

 

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(Änderungen vorbehalten!)

Stand: 9.7.2017

 

 

 

 

 

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