Unsere Schule

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... musst du gehen. 
 
 
 
 
»Über sieben Brücken musst du geh'n, sieben dunkle Jahre übersteh'n, siebenmal wirst du die Asche sein, aber einmal auch der helle Schein.«
 
Ob nun Karat oder Maffay. Kaum einer, der den Song nicht kennt. Dunkelheit und Licht, Zahlensymbolik, Asche und Schein, Symbole für Tod und Leben, überhaupt etwas märchenhaft Entrücktes: Das sind die Ingredienzien, aus denen dieser Songtext zusammengestrickt ist. Eben mit  deutlichen Anleihen beim Archetypischen und  Mythischen. Womit wir beim Thema wären. 
 
Sieben unermüdliche »Recken« des Musikkurses des 11. Jahrgangs dieses Schuljahres haben sich  nach sechs Konzertbesuchen des gesamten Kurses in der Kölner Philharmonie noch zu einem letzten abschließenden und siebten (!) Eventbesuch in der Deutschen Oper am Rhein eingefunden. Und nach ca. 150 Minuten, kurz vor Schluss, ist die Brücke dann kaum zu überhören. Eine anfangs aus Donnerschlägen (Hammerschlägen) entstehende, orchestral mit dominierender Harfe erzeugte, Regenbogenbrücke! Über die die Götter ihren kürzlich fertiggestellten Neubau zu beziehen gedenken. Und mit dessen fragwürdiger Finanzierung (Menschenhandel) das Drama im wortwörtlichen Sinne zweieinhalb Stunden zuvor begonnen hatte. 
 
»Zur Burg führt die Brücke, leicht, doch fest eurem Fuß: Beschreitet kühn ihren schrecklosen Pfad!« So die Aufforderung eines Gottes an die Seinen und sich selbst. Die nun losziehende Göttergesellschaft muss keinen Absturz befürchten. Sieht sich aber dem ausgesetzt, was sie selbst vermutlich als Pöbelei bezeichnen würde: Drei »Rheintöchter« beklagen unüberhörbar den Raub bzw. Verlust ihres Goldes. Die Brücke sozusagen als Leitplanke, nicht aber als Lärmschutzwand.
 
 
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Die Rheintöchter Woglinde (Anke Krabbe, v.l.), Wellgunde (Maria Kataeva) und Floßhilde (Ramona Zaharia) verschmähen Alberich (Michael Kraus) - und so beginnt der Ärger, der für viele Stunden einer Opern-Tetralogie reicht. FOTO: Rheinoper/Susanne Diesner ***
 
 
Und entsprechend endet das Ganze unüberhörbar mit einer Art sozialkritischer Handreichung für den Hausgebrauch: »Traulich und treu ist's nur in der Tiefe: falsch und feig ist, was dort oben sich freut!« Optisch fühlen wir uns an Kirmes und Rummel erinnert, an die billige Gereiztheit bunter Glühlampenreihen, die die Aufmerksamkeit auf das jeweilige Schaugeschäft lenken wollen. 
 
Da Inszenierung bekanntlich eine Art Verschwörung von Interpretation, Reflexion und Deutung gegenüber dem Werkautor ist, muss man sich nicht wundern. Die Oper beginnt mit einem Heine-Zitat. Nun, wir sind in Düsseldorf. Wir erleben eine gehörige Portion Grauzone, die als Rotlichtmilieu eine solche Flächenwirkung entfaltet, dass der (zentrale) Gegensatz von Liebe und Macht bis zur Unkenntlichkeit zusammenschmilzt. Auch Oben und Unten ist in Düsseldorf ein wenig aus den Fugen geraten. Plötzlich hereinbrechende Bergwerksloren und eine durch die Decke stürzende Gozillapranke -in der Einführung als »coup de théâtre« angekündigt- falten dann doch das »Einraumkonzept« des Regisseurs ein wenig auf. Aber ein Plot, der Mord, sittenwidrige Absprachen und unzählige Rechtsverletzungen beinhaltet, kann einiges aushalten. Peter Jungbluth hat in seiner Kritik für den Bayrischen Rundfunk orakelt: »Womöglich hätte es sogar Wagner gefallen.« 
 
Und von Schülerseite: Anstrengung war anzumerken, aber anders als in einem reinen Orchesterkonzert. Es schien Beschäftigung drinzustecken. »Da hat man wirklich immer die einzelnen Leitmotive heraushören können«. Aber auch: »An einigen Stellen hatte ich den Eindruck, dass sie nicht so richtig passen.« Lassen wir das 'mal so stehen!  Womöglich hätte es sogar Wagner gefallen. Denn hier wird im besten Fall nichts anderes thematisiert als eine Art ' kognitiver Dissonanz', mit der Wagner im besten Sinne des Wortes fesselt und fesseln will!
 
Die Multimediainstitution des 19. Jahrhunderts, die Oper, sie vermag heute wie vor 150 Jahren zu faszinieren, zu bewegen und natürlich auch immer wieder zu verstören. 
 
 
Bilder-Gallerie der Deutschen Oper am Rhein (16 Fotos
 
Video der Deutschen Oper am Rhein (4:05)
 
 

 


 

 *** aus: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/so-wird-die-rheingold-inszenierung-in-duesseldorf-am-23-juni-2017-aid-1.6870637